Frau im Baugewerbe - Teil 1 - Die Lehrstellensuche [Kolumne]

Magst Du Dich noch an die ersten Schritte im Berufsleben erinnern? Wie Du Dich damals auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz gemacht hast? Wie war diese Zeit für Dich? Ich in meinem Fall, erinnere mich, als wäre es erst gestern gewesen, obschon es ja nun auch schon 17 Jahre her sind. Vor 17 Jahren, um diese Zeit im November, hatte ich also schon 4 Monate meiner ersten Ausbildung geschafft. Vielleicht sollte ich es auch "überlebt" nennen, aber dazu im nächsten Teil der Kolumne. Heute möchte ich Dir erzählen, wie sich die Lehrstellensuche für mich damals so gestaltete. Die Lehrstellensuche als Frau in einer Männerdomäne. 




Die Suche nach der richtigen Ausbildungsstelle begann für mich in etwa am Ende des 8. Schuljahres. Einige in meiner Familie, wie das so ist, hatten damals ihre eigenen Ansichten, welcher Beruf denn der Passendste für mich sein könnte. Vom KV, über das Baugewerbe, oder Confiseur bis hin zur Sportartikelverkäuferin war alles dabei. Einige Berufe konnte ich natürlich von Anfang an gleich ausschliessen, denn ich hatte meine eigenen Favoriten und auch damals schon Ziele, die ganz klar in Richtung Baugewerbe oder LKW-Chauffeuse gingen. Aber zumindest die ein oder andere Berufsgattung wollte ich mir doch mal genauer anschauen, was ich schlussendlich auch tat. Als ich dann definitiv eine Lehrstelle auf dem Bau suchte, weil mir alles andere wirklich zu trocken und zu wenig Substanz, oder zu wenig Perspektive hatte, ging es also darum, erst einmal die Bewerbungen zu schreiben. Ich schrieb, wie ich mich erinnern kann, nicht gerade wenig Bewerbungen, im Gegensatz zu meinen Mitschülern. In meinem Fall, gab es nämlich so manchen Unternehmer, welcher mich bei meiner Suche überhaupt nicht ernst nahm und mich eher belächelte. Ich hörte Sätze wie "Du bist nicht robust genug" oder auch "Frauen gehören nicht auf die Baustelle". Und wenn ich diese Sätze nicht hörte, wurden meine überaus guten Noten in den letzten Schuljahren oft als Grund genommen, für eine Lehre auf dem Bau nicht geeignet zu sein, das Potential zu verspielen. In dieser Zeit war teilweise nämlich noch ein Bisschen die Ansicht vertreten, dass wenn man schlechte Noten hatte und die Möglichkeiten der Ausbildungen dementsprechend begrenzt waren, man einen Beruf auf dem Bau wählte. Unter dem Strich, nahm mich also wirklich kaum einer ernst, ich wurde wie ein bunter Hund behandelt und die, die mich ernst nahmen, (oder zumindest so taten), hatten schon Lehrlinge unter Vertrag. Die Suche nach einem Ausbildungsplatz gestaltete sich also nicht so einfach, wie ich mir das eigentlich vorstellte. 


Alles in allem war die Lehrstellensuche für mich als Frau, damals zwar noch eher ein Mädchen, sehr nervauftreibend. Hätte ich eine Lehrstelle in einem "frauentypischen" Beruf, wie z.B. das KV gewählt, dann wäre die ganze Sache sicher einfacher und schneller erledigt gewesen. In den meisten Firmen gab es einen Aufschrei, wenn man als Frau einen Männerberuf erlernen wollte. Jahre später, mit mehr Berufs- & Lebenserfahrung weis ich nun selber natürlich auch, dass die Begründung "nicht robust genug" damals eher eine dumme Ausrede war. Ein Bodybuilder bekommt seine Muskeln ja auch nicht von heute auf morgen. Und auch sonst, wenn man einen Berufsweg in einer Männerdomäne einschlägt, bekommt man im Verlaufe der Zeit noch mehr und sogar noch dümmere Ausreden zu hören. (Dieses Thema aber wohl erst in Teil 30 oder so :-D) Praktisch 5 vor 12, im Mai, kurz vor Schulende hatte ich dann also doch meinen Lehrvertrag im Sack und die Angst, noch ein 10. Schuljahr anhängen zu müssen, war unbegründet. Heute weis ich aber, dass ich besser noch das 10. Schuljahr gemacht hätte und weiter nach dem richtigen Lehrbetrieb gesucht hätte. Weshalb, das erfährst Du aber auch erst im 2. Teil dieser Kolumne. Aber wie das so ist, im Nachhinein ist man ja bekanntlich immer schlauer und ausserdem war ich froh, endlich Arbeiten zu können, denn die Schule war für mich ein eher Langweiliges Kapitel, welches nicht unbedingt in die Verlängerung gehen musste. Wie es so kam, befand sich mein (erster) Lehrbetrieb natürlich nicht in der Nähe von meinem Elternhaus und so war für mich schon mit 16, ein Auszug von Zuhause angesagt, - zumindest für unter der Woche. Für mich als Papakind war das einfach viel zu früh, doch ich musste ja auch meine Opfer bringen und zugegeben war es die ersten Wochen schon ganz interessant im eigenen Zuhause der Chef zu sein. So trat ich also Anfangs August 2001 mein erstes Lehrjahr, in einem Betrieb im Berner Seeland an. (Fortsetzung folgt natürlich). 

Natürlich denkst Du Dir jetzt vielleicht, heute ist das ja schon fast normal, dass Frauen das Gleiche machen, wie Männer, - kann teilweise sein! Aber Du darfst auch nicht vergessen, dass meine Lehrstellensuche damals im Jahr 2000/2001 vonstatten ging und in dieser Zeit war das noch alles andere als normal. Viel abnormaler als heute, aber auch heute noch ist es nicht in jedem Fall normal. Nur das ich das auch erwähnt habe. Weshalb? Jetzt schreiben wir das Jahr 2018. Und auch im Baugewerbe müsste mittlerweile die Gleichstellung von Mann und Frau an der Tagesordnung sein. Aber doch gibt es heute noch vereinzelt Unternehmer, (ich nenne sie schwarze Schafe) denen es nicht im Traum in den Sinn kommen würde, eine Lehrstelle, eine Anstellung, geschweige denn eine Bauführerstelle an eine Frau zu vergeben. (Und wenn Letzteres doch angeboten wird, dann nicht selten zu weit schlechteren Bedingungen. Das ist aber ein anderes Thema) Ich persönlich finde das aber tragisch. Weshalb sollte eine Frau also nicht die gleiche Arbeit, wohlgemerkt auch zu gleichen Bedingungen, erledigen können, wie ein Mann? Im Umkehrfall gibt es ja auch Coiffeurgeschäfte, die ohne Bedenken einen Mann ausbilden oder anstellen. Und männliche Serviceangestellte. (Dort ist die Lohngleichheit, aber auch noch ein grosses Thema, da die männlichen Serviceangestellten zum Beispiel auch mehr verdienen als die Frauen) Das Männer typische Frauenberufe wählen dürfen und dazu noch Lohnvorteile haben, ist heute also selbstverständlich. 

Unter dem Strich, haben aber in erster Linie einige Unternehmer im Baugewerbe noch sehr viel Arbeit vor sich, damit endlich ein Umdenken beginnt. Es ist nämlich höchste Zeit umzudenken, auch wenn es einige noch nicht wahrhaben möchten! Solltest Du also auch zu der Sorte "altmodischer Denker" gehören, dann fange bitte heute gleich mit dem Umdenken an, - und nicht erst morgen! Danke!




PS: Gefällt Dir diese Kolumne? Freust Du Dich auf Teil 2? auf Instagram @frau.johann und Du wirst informiert, wenn der nächste Teil online ist! 

1 Kommentar:

  1. Es ist interessant zu Lesen, wie schwer sich schon nur eine Lehrstellensuche gestalten kann. Die Vorurteile gegenüber Frauen in Männerberufen sind nicht zu leugnen. Gibt viele die noch altmodisch denken. Wir hatten vor ein paar Jahren eine Lehrtochter im Strassenbau und die hat eine super Leistung erbracht. Schulisch dazu noch bessere Noten, als die anderen Lehrlinge. Ich war noch nie dagegen und fand immer, das man das lernen soll, was gefällt egal ob Mann oder Frau.

    MfG Severin

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